Die Insel der Sirenen

Die bisherige Rekonstruktion setzt sich fort: Die Entfernungen und Zeiten passen zusammen – von der Vorbereitung des Wachses bis zur Annäherung an die Sireneninsel. Als das Schiff in Rufweite kommt, beginnen die beiden Sirenen ihren betörenden Gesang.

Sie schmeicheln Odysseus, erinnern ihn an seine Erlebnisse vor Troja und versprechen ihm Wissen über alles, was auf der Welt geschieht. Odysseus verfällt ihrem Gesang und verlangt von seinen Gefährten, ihn loszubinden. Doch diese hören nichts von den Sirenen und folgen seinen Anweisungen: Sie rudern weiter und binden ihn noch fester an den Mast.

So passiert das Schiff die Sireneninsel Torre Sant’Angelo. Die Passage erfolgt ohne Halt und ohne Kurswechsel. Als der Gesang schließlich leiser wird und verstummt, ist die Gefahr vorüber.

Die geografische Situation passt dabei auffallend gut zu Homers Erzählung: Die Sireneninsel liegt unmittelbar vor der Küste Ischias und wird auf kurzer Distanz passiert. Das Schiff kann anschließend weiter nach Osten laufen und kommt erst außerhalb der Rufweite, etwa auf Höhe des heutigen Maronti-Strandes, wieder zum Stillstand.

Der Torre Sant’Angelo ist heute keine Insel. Geologische Hinweise sprechen jedoch dafür, dass der Felsen zur Zeit Homers noch von Ischia getrennt war. Damit könnte er genau jene „Insel der Sirenen“ gewesen sein, die Homer beschreibt.

 

Mehr zu den geologischen Hinweisen unter Wissenswertes", was sonst noch interessant ist.

Die berühmte Sirenenpassage

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