Windstille

Und wie geflügelt entschwebte, vom freundlichen Winde getrieben,
Unser gerüstetes Schiff zu der Insel der beiden Sirenen.
Plötzlich ruhte der Wind; von heiterer Bläue des Himmels
Glänzte die stille See; ein Himmlischer senkte die Wasser.
Odyssee 12, 166-169
Homer beschreibt hier keine Flaute auf offenem Meer, sondern einen plötzlichen Windstillstand bei gleichzeitig ruhiger See.
Die Segel werden eingeholt und die Gefährten greifen zu den Rudern.
Auf offenem Meer würde eine solche Situation anders aussehen. Auch wenn der Wind plötzlich nachlässt, bleiben Wellengang und vor allem die Dünung noch längere Zeit bestehen. Dass Homer gleichzeitig von einer stillen See spricht, deutet deshalb auf eine geschützte Zone hin, in der das Schiff aus dem Wind gerät – einen Windschatten.
Die Vorbereitung auf die Sirenen
Im ruhigen Wasser des Windschattens wird die Fahrt rudernd fortgesetzt. Die Sireneninsel ist noch nicht in Sicht. Nun beginnt Odysseus mit den Vorbereitungen für die gefährliche Passage.
Die Sonne steht inzwischen hoch genug, um das Wachs weich zu machen. Odysseus formt daraus kleine Kugeln und verschließt damit die Ohren seiner Gefährten. 44 Männer müssen für die bevorstehende Begegnung mit den Sirenen vorbereitet werden.
Während dieser Vorbereitungen setzt das Schiff seine Fahrt unter Riemen fort. Die Entfernung zur Sireneninsel wird geringer. Bald taucht vor ihnen der Torre Sant’Angelo auf – für meine Rekonstruktion die Sireneninsel.
Nun kommt der entscheidende Moment: Odysseus wird am Mast festgebunden. Die gefährliche Passage kann beginnen.
Im Windschatten des Punta Imperatore
Der Windschatten am Punta Imperatore, bei Windstärke von etwa 3-4 Beaufort.
In der Mitte der Leuchtturm, Faro.
Rechts davon sieht man Wellengang und vereinzelte Schaumkronen.
Links vom Faro liegt der windgeschütze Bereich ohne Wellengang und Schaumkronen.
