Thrinakia - Procida

Thrinakia – Procida

Nach der Passage von Skylla und Charybdis erreichen Odysseus und seine Gefährten „bald“ (12, 261) die Insel Thrinakia. Homer nennt keine weitere Reisezeit. Das passt zu einer kurzen Entfernung und damit zur unmittelbaren Fortsetzung des ereignisreichsten Tages.

In meiner Rekonstruktion ist Thrinakia Procida. Die zurückgelegte Strecke von der Bucht von San Montano über die Windstille, die Sireneninsel und die Passage zwischen Vivara und Procida beträgt insgesamt nur rund 30 Kilometer. Selbst der letzte Abschnitt nach Procida lässt sich unter diesen Bedingungen problemlos an einem Tag bewältigen.

Der Name ist der entscheidende Hinweis

Homer gibt uns bei Thrinakia einen ungewöhnlich deutlichen Hinweis: Der Name beschreibt die Form der Insel – eine dreizinkige Gabel.

Und genau diese Form besitzt Procida. Die drei Landspitzen Punta Solchiaro, Punta Pizzaco und Punta Monaci bilden die drei Zinken der Gabel. Die westlich anschließende Insel Vivara gehört dabei nicht zu dieser Form; sie ist eine eigenständige Insel, die heute über eine Brücke mit Procida verbunden ist.

Damit passt nicht nur die Lage der Insel zur Route. Auch ihr Name findet in ihrer Gestalt eine erstaunlich genaue Entsprechung.

Die traditionelle Gleichsetzung von Thrinakia mit Sizilien beruht dagegen wesentlich auf der Nähe zu Skylla und Charybdis in der Straße von Messina. Doch Sizilien entspricht der von Homer genannten Dreizackform nicht. Aus „Thrinakia“ einfach „Trinacria“ zu machen, löst dieses Problem nicht – es ersetzt Homers Beschreibung durch eine andere.

 

Eine Insel für die Herden des Helios

Auch die Beschaffenheit Procidas passt zu Homers Thrinakia. Die Insel ist im Gegensatz zu Ischia flach und weist keinen markanten Berg auf. Ihre höchste Erhebung liegt bei etwa 90 Metern. Damit eignet sie sich wesentlich eher als Weideland für die großen Herden des Helios.

Homer berichtet auf Thrinakia zudem nicht von einer menschlichen Bevölkerung, sondern von den Herden des Sonnengottes und den beiden Nymphen Lampetia und Phaetusa, die sie bewachen.

Thrinakia / Procida bildet damit den fünften und letzten Punkt des ereignisreichsten Tages.


Die Mannschaft widersetzt sich Odysseus.
Nach den Strapazen des Tages weigern sich die Männer, bei einbrechender Nacht weiterzufahren. Eurylochos verweist ausdrücklich auf die Gefahren nächtlicher Seefahrt und verlangt, die Nacht an Land zu verbringen. Odysseus muss nachgeben und lässt sich von der Mannschaft zuvor einen heiligen Eid abnehmen, die Rinder und Schafe des Helios zu verschonen.

 

Landeten wir in der Bucht …
Nahe bei süßem Wasser“

Odyssee 12, 305-306

 

Thrinakia besitzt keinen natürlichen Bach. Homer berichtet lediglich von einer Landung „in der Bucht“ und von „süßem Wasser“ in ihrer Nähe. Das setzt einen Zugang zu Trinkwasser voraus, nicht jedoch einen ganzjährig fließenden Wasserlauf wie auf Aia.

 

Der Tag endet auf Thrinakia

Nach der Landung in der Bucht essen und trinken die Gefährten und gedenken der sechs Männer, die Skylla geraubt hat. Danach legen sie sich zur Ruhe. In der dritten Nachtwache zieht der von Eurylochos befürchtete Sturm auf.

 

Damit endet ein Tag, dessen einzelne Stationen sich ungewöhnlich genau zeitlich einordnen lassen.

 


 

Die dreizackige Insel des Helios

Procida, Homers Insel Thrinakia, unverkennbar in der Form eines Dreizacks.

Procida, der pittoreske Hafen Corricella

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