Pithekoussai - Das Herz der Odyssee

La rotta commerciale - da Pithekoussai a Sibari

Pithekoussai war ein Zentrum der Metallverarbeitung.

Pithekoussai war jedoch nicht nur ein Handelsplatz. Archäologische Funde zeigen, dass auf der Insel bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. Metalle verarbeitet und verhüttet wurden.

Im Gebiet von Mezzavia/Mazzola außerhalb der Vorgebirge des Monte di Vico wurden zwischen 1969 und 1971 mehrere Anlagen untersucht. In zwei Gebäuden fanden sich Hinweise auf Schmiedetätigkeiten. Unter anderem wurden Eisen, Bronze und Blei sowie steinerne Flächen, die vermutlich als Ambosse dienten, entdeckt.

Der mindestens 500 Meter lange Komplex gehörte somit zu einem Gebiet, in dem intensiv Metallverarbeitung betrieben wurde.

 

Doch woher kamen die Metalle?

Das für die Verarbeitung benötigte Erz wurde unter anderem von der Insel Elba herangeführt. Somit war Pithekoussai Teil eines weitreichenden Netzes von See- und Handelsverbindungen im westlichen Mittelmeer.

 

Der Weg über Sybaris und Laos

Der direkte Seeweg von der tyrrhenischen zur ionischen Seite Italiens war lang und nicht ungefährlich. Stürme und Piraterie erschwerten die Fahrt, hinzu kamen Steuerabgaben im Raum von Rhegion.

Deshalb bot sich eine ungewöhnliche Alternative an:

 

Sybaris → etwa 50 Kilometer über Land → Laos → Tyrrhenisches Meer

 

In Sybaris wurden die Waren ausgeladen und mit Karren über eine etwa 50 Kilometer lange Straße nach Laos transportiert. Dort konnten sie erneut auf Schiffe verladen werden.

Von dort aus führte der Seeweg entlang der tyrrhenischen Küste weiter über Elea-Velia und Poseidonia-Paestum.

Dieser kombinierte Land- und Seeweg hatte mehrere Vorteile: Er vermied einen Teil der gefährlichen Seefahrt, umging Abgaben und verkürzte die Gesamtstrecke erheblich.

 

Metallhandel bei Homer

Dass der Handel mit Metallen bereits in der Welt der Odyssee eine Rolle spielt, zeigt eine bemerkenswerte Stelle im ersten Gesang.

Athene gibt sich gegenüber Telemachos als Mentes, Sohn des Anchialos, aus. Sie erklärt, weshalb sie mit ihren Gefährten nach Ithaka gekommen ist:

 

„Mir in Temesa Kupfer für blinkendes Eisen zu tauschen.“
Od. 1,184–185

 

Mentes betreibt also Metallhandel: Kupfer aus Temesa soll gegen Eisen eingetauscht werden.

Das ist deshalb interessant, weil wir hier nicht auf eine moderne Rekonstruktion angewiesen sind. Homer selbst nennt Temesa, Kupfer und den Tausch gegen Eisen.

Gibt es eine Verbindung nach Pithekoussai?

 

Auf Pithekoussai wurde Eisen verarbeitet, während Kupfer und andere Metalle über die Handelswege des westlichen Mittelmeers transportiert wurden.

Auch auf der Route Laos–Sybaris ist mit Metalltransporten zu rechnen. Dabei könnte das in Temesa gewonnene Kupfer eine Rolle gespielt haben.

Eine konkrete Transportkette von Temesa über Pithekoussai und Sybaris nach Laos lässt sich aus den vorhandenen Befunden allerdings nicht unmittelbar nachweisen. Sie bleibt daher eine mögliche Rekonstruktion, keine gesicherte Tatsache.

 

Sicher ist hingegen, dass Pithekoussai und Sybaris durch ein Handelsnetz miteinander verbunden waren, das die beiden Küsten Italiens über den Landweg miteinander verknüpfte.

Und genau diese Verbindung ist für meine Rekonstruktion der Odyssee von besonderem Interesse.

Denn Odysseus erreicht zunächst die tyrrhenische Küste am Laos und gelangt von dort auf dem Landweg zum Land der Phäaken bei Sybaris.

Was auf den ersten Blick wie ein ungewöhnlicher Umweg erscheint, erhält somit einen historischen Hintergrund.

 

Der Weg über den italienischen Isthmus war keine theoretische Reiseroute. Er stellte eine tatsächlich genutzte Handelsverbindung zwischen zwei Meeren dar.

 

Und vielleicht liegt gerade darin ein weiterer Hinweis darauf, dass Homers Scheria auf dem Festland bei Sybaris zu suchen ist.

Die Seewege des Handels

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